Dienstag, 7. November 2023

Charpentier: Te Deum - Valentin Tournet



Der Text des Te Deum ist im Verlaufe der Geschichte häufig vertont worden. Das Werk wurde meistens aufgeführt, wenn es etwas zu feiern gab, beispielsweise einen Sieg im Krieg oder ein Friedensabkommen. Das wohl berühmteste Te Deum stammt von Marc-Antoine Charpentier: die Prélude wird überall in der Welt oft gespielt, und es gibt viele Aufnahmen des gesamten Werkes. Brauchen wir noch eine Aufnahme? Vielleicht nicht unbedingt, wie gut die Neueinspielung von Valentin Tournet auch sein mag. Eine Besonderheit ist, dass hier das Werk eingeleitet wird von vier Stücken für Bläser und Pauken von Jacques Danican Philidor, was die Verbindung zwischen dem Werk und dem Sieg Frankreichs im Schlacht zu Steinkerque - wahrscheinlich der Anlass zur Komposition dieses Te Deum - unterstreicht. Das letzte Stück ist ein Solo für die Pauken, und darauf folgt die Prélude aus dem Te Deum attacca.

Wichtiger in Sachen Repertoire sind die beiden weiteren Werken in dieser Produktion. Das gilt insbesondere für De profundis, eine Vertonung des Psalms 129 (130), eines der sieben Busspsalmen. Dieser Psalm war aber auch Teil des Totenoffiziums, und deswegen werden am Ende des Psalms die Eröffnungsworte des Requiems gesungen. Charpentiers Vertonung ist für acht bis neun Stimmen, Streicher und zwei Flöten gesetzt. Nach einer instrumentalen Einleitung erklingt der erste Vers, der nach einem weiteren instrumentalen Abschnitt wiederholt wird, dann aber in einer erweiterten Besetzung, was die Dringlichkeit des Gebets unterstreicht. Es ist eines der Merkmale dieses eindringlichen und ausdrucksstarken Werkes, das viel bekannter sein sollte als es ist. Es ist ein Meisterwerk, wie so viele Kompositionen Charpentiers.

Das dritte Werk ist ein Magnificat, und auch dabei handelt es sich um einen oft vertonten Text, da dieser Lobgesang der Maria Teil der Vesperliturgie ist. Kein Wunder, dass es im Oeuvre von Charpentier zehn verschiedene Vertonungen gibt. Die hier aufgeführte heisst Troisième Magnificat à 4 voix avec instruments und stammt aus den frühen 1690er Jahren. Der Chor nimmt hier den wichtigsten Platz ein; die Solisten spielen eine untergeordnete Rolle.

Obwohl die Solisten nicht ganz frei von einem unerwünschten (leichten) Vibrato sind, ist der Eindruck dieser Einspielung überwiegend positiv. Das gilt insbesondere für das De profundis und das Magnificat. Es ist heutzutage Mode, Charpentiers Te Deum im Eiltempo darzustellen. Der Rekordhalter scheint mir Hervé Niquet zu sein (Glossa, 2001), aber Tournet hat ihn auf den Fersen. Ich weiss nicht, ob Charpentier das beabsichtigt hat. Es ist aufregend, aber ich bevorzuge ein etwas gemässigteres Tempo.

Wie dem auch sei, jeder Liebhaber der Musik von Charpentier sollte sich diese CD ergattern, schon wegen der beiden weniger bekannten Werke, die hier zu hören sind.

Marc-Antoine Charpentier (1643-1704): Te Deum
Gwendoline Blondeel, Cécile Achille, dessus; David Tricou, haute-contre; Mathias Vidal, taille; Geoffroy Buffière, basse-taille; La Chapelle Harmonique/Valentin Tournet
Château de Versailles Spectacles CVS098 (© 2023) details

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mascitti: Triosonaten Op. 1 - Musica Elegentia

Im 18. Jahrhundert machten viele italienische Musiker und Komponisten sich auf den Weg zu anderen Teilen Europas, inbesondere England und ...