Posts mit dem Label Bach (Johann Christian) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bach (Johann Christian) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 24. Januar 2025
JC Bach & Mozart: Sonaten und Konzerte - Inés Moreno Uncilla
Es ist bemerkenswert, wie die Wertschätzung von Musik sich im Verlauf der Geschichte ändern kann. Nehmen wir Beethovens dritte Sinfonie: ihr wurde bei der Erstaufführung die Sinfonie von Anton Eberl in der gleichen Tonart gegenübergestellt. Die Mehrheit der Zuhörer bevorzugten Eberls Sinfonie, während heutzutage Eberl eine Randfigur im Musikleben ist und Beethovens Eroica zu den beliebtesten Orchesterwerken zählt.
Etwas Vergleichbares gibt es bei der Wertschätzung von Johann Christian Bach. Es gibt wohl kaum jemanden, der ihn zu den grössten Komponisten des 18. Jahrhunderts rechnet. Aber kein geringerer als Mozart schätzte ihn über alles. Als er hörte, dass Bach verstorben war, betrachtete er das als eine grosse Verlust für die Musikwelt. Die beiden hatten sich während des Besuchs der Mozarts in London getroffen und es führte zu einer engen Freundschaft. Als Bach 1766 seine Klaviersonaten Op. 5 veröffentlichte, hatte Mozart London schon verlassen, aber möglicherweise hat er in London diese Sonaten gesehen oder gehört, oder vielleicht selber gespielt. Auf jeden Fall wählte er die Sonaten 2 bis 4 aus, um sie zu Kammerkonzerten für Klavier, zwei Violinen und Bass zu bearbeiten.
Für eine CD reichen diese Konzerte nicht. Es liegt auf der Hand das Programm mit den drei übrigen Sonaten zu erweitern. Das hat Inés Moreno Uncilla gemacht. Es gibt Musikliebhaber - und vielleicht auch Interpreten - die Johann Christian Bachs Musik als oberflächlich betrachten. Der Eindruck, der seine Musik macht, hängt zum Teil auch von den verwendeten Instrumenten ab.
Ich kenne Aufnahmen der Sonaten Op. 5 auf einem Fortepiano nach Anton Walter (1795), aber so ein Instrument passt nicht zu diesen Stücken. Die erste Ausgabe des Op. 5 nennt zwar das Fortepiano - zum ersten Mal in einer in England gedruckten Ausgabe - aber an zweiter Stelle, nach dem Cembalo. Das war zu jener Zeit zweifellos das am meisten gespielte Tasteninstrument, vielleicht neben dem Spinett. Es ist daher richtig, dass Inés Moreno Uncilla sich für das Cembalo entschieden hat, nicht nur in den Sonaten, sondern auch in Mozarts Bearbeitungen, denn es gibt keinen Zweifel, dass Mozart in der Zeit, als er sie schuf, noch Cembalo gespielt hat.
Das klingende Resultat gibt ihr recht. Falls gespielt auf dem richtigen Instrument treten die Qualitäten dieser Sonaten ans Tageslicht. Man höre das ausdrucksstarke grave, das die Sonata VI eröffnet. Und die Sonata V ist ein brillantes Werk, das hier eine glänzende Interpretation empfängt.
Was Mozarts Konzerte anbetrifft: es gibt mehrere Aufnahmen, und obwohl ich sie nicht alle kenne, glaube ich, dass diese Neuaufnahme zu den besten gezählt werden kann. Die schnellen Sätze werden energisch dargestellt, die langsamen subtil und mit Gefühl. Diese Produktion scheint die erste Aufnahme von Inés Moreno Uncilla und das Minué Ensemble zu sein. Ein besseres Debut haben sie wohl nicht machen können.
Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Christian Bach: "Opus V"
Inés Moreno Uncilla, Cembalo; Minué Ensemble
Ars Produktion ARS 38 660 (© 2024) details
Donnerstag, 13. Juli 2023
CPhE & JC Bach: Sonaten für Viola da Gamba - L'Amoroso
Die Viola da gamba war eines der am meisten geschätzten Instrumente der Spätrenaissance und des 17. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert wurde sie immer stärker der Konkurrenz des Violoncellos ausgesetzt. Trotzdem konnte sie sich hier und da halten: es gab in Frankreich bis in die Mitte des Jahrhunderts einige Gambenvirtuosen, und in Deutschland gab es Ludwig Christian Hesse, der am Hofe Friedrichs des Grossen wirkte und mehrere Kollegen zur Komposition von Solokonzerten und Sonaten anregte. Zu diesen zählte auch Carl Philipp Emanuel Bach, der zwei Sonaten für Gambe und Basso continuo und eine für Gambe und konzertierendes Cembalo komponierte. Während die Sonate C-Dur (Wq 136) weitgehend im galanten Stil gehalten ist, ist die Sonate D-Dur (Wq 137) ein Werk, das den Geist des Komponisten atmet. Wo die Sonate in C-Dur mit einem Andante anfängt, ist der erste Satz der Sonate D-Dur ein Adagio, das harmonisch gewagt ist. Der zweite Satz ist virtuos, auch dank der Tempoangabe: Allegro di molto. In der Sonate g-moll (Wq 88) teilen sich die rechte Hand des Tasteninstruments und die Viola da gamba das thematische Material. Die linke Hand des Tasteninstruments hat lediglich eine Begleitfunktion. Das Werk wird vom Kontrapunkt dominiert. Für diese Sonate wird die Viola als Alternative erwähnt. Das deutet wohl darauf hin, dass zur Zeit der Komposition (1759) die Viola da gamba weitgehend ins Abseits geraten war und nur von wenigen noch gespielt wurde.
Wo CPhE Bachs Gambensonaten mehrmals aufgenommen worden sind, gilt das nicht für die Sonaten von Johann Christian Bach. In seiner Programmerläuterung schreibt Michael O'Loghlin, sie könnten zwischen 1765 und 1772 entstanden sein. Man könnte meinen, sie seien für Carl Friedrich Abel, mit dem Bach die sogenannten 'Bach-Abel-Konzerte' organisierte, komponiert, aber das steht nicht fest. Eine andere Möglichkeit wäre der Maler Thomas Gainsborough, ein Freund von Abel, der den Gambisten mit seinem Instrument porträtierte. Übrigens sind die vier hier eingespielten Sonaten auch in anderen Besetzungen überliefert, für Traversflöte, Violine oder Viola. Welche Besetzung die ursprüngliche ist, lässt sich nicht feststellen. Es handelt sich um typisch galante Stücke, immer in zwei Sätzen. Zwei Sonaten enden mit einem Rondeau, und eine Sonate mit einer Pastorale.
Die Bedeutung dieser Produktion liegt in erster Linie in der Aufnahme dieser Sonaten von Johann Christian Bach, die hier wohl zum ersten Mal auf CD erscheinen, oder jedenfalls in der Besetzung mit Viola da gamba. Allerdings ist diese CD auch wegen der Interpretation interessant, und vor allem aufgrund der Wahl der Tasteninstrumente. In zwei Sonaten spielt Paolo Corsi ein Cembalo, in den übrigen Sonaten ein Tafelklavier (John Broadwood, 1786 bzw. ein italienisches Instrument von um 1795). Das war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert ein beliebtes Instrument, das vor allem im intimen Kreis - aber nicht nur dort - gespielt wurde. Insbesondere in den Sonaten von Johann Christian ist das eine viel überzeugendere Wahl als das Fortepiano. Sie führt auch zu einer guten Balance zwischen den Instrumenten. Guido Balestracci und Paolo Corsi, in den zwei Sonaten von CPhE Bach mit Basso continuo unterstützt von Stéphanie Houillon auf der zweiten Gambe, haben eine fesselnde CD vorgelegt, die bietet was der Titel verspricht.
CPhE & JC Bach: "Virutosity and Grace - Sonatas for Viola da Gamba"
L'Amoroso
Arcana - A543 (© 2023) details
Abonnieren
Posts (Atom)
Neapolitanische Dialoge - I Musici del Gran Principe (Samuele Lastrucci)
Für mehrere Jahrhunderte war Neapel eine der wichtigsten Musikzentren Europas. Junge Aristokraten macht dort oft halt auf ihrem Grand Tour...
-
Dieses Jahr (2025) ist Palestrinajahr. Es wird angenommen, dass Giovanni Pierluigi da Palestrina 1525 geboren wurde (es könnte aber auch A...
-
Antonio Vivaldi ist untrennbar mit Venedig verbunden. Obwohl er sich gelegentlich auch anderswo aufhielt, beispielsweise während der Karne...
-
"Mulier tacet in ecclesia" - die Frau soll schweigen in der Kirche. Dieses Gebot des Apostels Paulus wurde vom Mittelalter bis i...

