Donnerstag, 19. März 2026

Coccia: Geistliche Musik aus dem Rom des 18. Jahrhunderts - Peter Leech


Eine der interessantesten Entwicklungen im Musikleben der letzten etwa zwanzig Jahre ist das wachsende Interesse an der Rolle von Frauen in der Musikszene des 17. und 18. Jahrhunderts, nicht in erster Linie als Interpretinnen, sondern als Komponistinnen. Einige von ihnen sind bekannt geworden, wie etwa Barbara Strozzi und Élisabeth Jacquet de La Guerre. Ihr Werk ist auf CD gut vertreten. In jüngerer Zeit wurde auch die Musik von Marianne Martines entdeckt. 1773 war sie die erste Frau, die als Mitglied in die renommierte Accademia Filarmonica von Bologna aufgenommen wurde. Die zweite war Maria Rosa Coccia (1759-1833), der diese CD gewidmet ist.

Ihre Aufnahme erfolgte 1779; fünf Jahre zuvor, mit gerade einmal fünfzehn Jahren, hatte sie eine wichtige Prüfung bestanden. 1716 hatte Papst Clemens XI. verfügt, dass kein Musiker in Rom professionell arbeiten oder den Titel maestro di cappella führen durfte, ohne Mitglied der Accademia di Santa Cecilia zu sein. Potenzielle Kandidaten mussten eine musikalische Prüfung ablegen, die die Stegreifkomposition einer vierstimmigen Fuge zu einem vorgegebenen Thema beinhaltete. Coccia bestand die Prüfung, und – ungewöhnlicherweise – wurde ihre Komposition über die Antiphon Hic vir despiciens mundum, die im Programm enthalten ist, 1775 veröffentlicht. Dies trug einerseits zu Coccias Ruf bei, andererseits konnte es Gegenstand von Kritik werden, was auch geschah. Der Kritiker war Francesco Capalti, maestro di cappella der Kathedrale von Narni. Eine Fussnote in Peter Leechs Begleittext erwähnt, dass er selbst die Prüfung nicht bestanden hatte, was seine Beweggründe etwas erhellt. Interessanterweise wurde Coccias Stück von keinem Geringeren als 'Padre' Martini verteidigt, der zu jener Zeit als die grösste Autorität auf dem Gebiet des Kontrapunkts galt.

Die erfolgreiche Prüfung und die Unterstützung einflussreicher Gönner ebneten ihr nicht den Weg zu einer bedeutenden Position in der Kirche. Da die Regel, dass Frauen in der Kirche schweigen sollten, weiterhin galt, war es ein unüberwindbarer Schritt, eine Frau zur Kapellmeisterin zu ernennen. Da ihr Leben und Werk noch nicht vollständig erforscht sind, ist bis heute wenig über ihren Werdegang bekannt.

Das Programm widmet sich nicht ausschliesslich Coccia; vielmehr wird ihre Musik in ihren historischen Kontext gestellt, indem Kompositionen von Zeitgenossen wie Sante Pesci, ihrem Lehrer, und Giovanni Battista Casali, einem ihrer Prüfer von 1774, einbezogen werden. Die geistliche Musik jener Zeit hatte zwei Gesichter. Einerseits spielte der Kontrapunkt in Rom weiterhin eine wichtige Rolle, da die kirchlichen Autoritäten den stile antico, dessen bedeutendster Vertreter Palestrina war, stark bevorzugten. Daher überrascht es nicht, dass die kürzeren Werke auf dieser CD in diesem Stil verfasst sind. Die Stücke von Pesci, Casali und Sebastiano Bolis sind gute Beispiele dafür.

Auch Coccia schrieb in diesem Stil. Neben dem bereits erwähnten Prüfungsstück trifft das auf Veni sponsa Christi und Tuttiabschnitte aus größeren Werken zu. Veni Creator spiritus und Dixit Dominus schliessen beide mit einer Fuge. Es war üblich, ein geistliches Werk mit einer fugierten Doxologie zu beenden. Doch in ihrem Magnificat ignoriert Coccia diese Tradition völlig. Insbesondere die Solopassagen zeigen den Einfluss der Oper und des galanten Idioms, das in ganz Europa vorherrschend war. Dies ist die andere Seite der geistlichen Musik jener Zeit. Die Soli im Magnificat könnten problemlos Arien in einer Oper sein; sie sind äusserst virtuos, enthalten viele Koloraturen und schließen meist mit einer Kadenz. In diesen Passagen findet sich wenig Textausdruck.

Die CD schliesst mit einer Vertonung des Vesperpsalms Dixit Dominus. Für mich ist dies auch der Höhepunkt. Coccia beweist hier ihre Meisterschaft im Kontrapunkt, indem sie den Text zu einem achtstimmigen Doppelchor gesetzt hat. Die beiden Chöre dienen einem Dialog, der den Text wirkungsvoll vermittelt.

Ich vermute, dass ich nicht der einzige bin, der mit den opernhaft-galanten Stücken einige Mühe hat. Eine gewisse Oberflächlichkeit ist solchen Werken nicht abzusprechen. Am besten höre man sich einige Stücke im Internet an, beispielsweise auf Spotify. Die zwei Seiten von Coccia lassen sich anhand des Magnificat und des Dixit Dominus am klarsten feststellen.

Was die Interpretation anbetrifft, habe ich nur Lob für diese Einspielung. Sie ist Teil eines Projekts von Peter Leech und anderen, das sich mit der geistlichen Musik Roms in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und insbesondere mit der Rolle der Frau in der Musik jener Zeit befasst. Mit seinem Chor verfügt er über ein hervorragendes Instrument, um dieses Repertoire zum Leben zu erwecken. Der Gesang ist exzellent, und der Chor hat einige sehr gute Solist*innen in seinen Reihen. Wie sie die Koloraturen meistern und wie gut sie den Charakter dieser Musik erfasst haben, kann man nur bewundern.

Wer seine musikalischen Horizont erweitern möchte, und dem Stil der Zeit offen gegenübersteht, sollte sich diese CD unbedingt anhören.

Maria Rosa Coccia: "Sacred Music from Eighteenth-Century Rome"
Cardiff University Chamber Choir/Peter Leech (Orgel)
Toccata TOCC0359 (© 2024) Details

Freitag, 13. März 2026

Giardini & Ferrari: Violinsonaten



Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden in grossen Mengen Violinsonaten komponiert und zum Teil veröffentlicht. Im Barockzeitalter - bis um die Mitte des Jahrhunderts - waren das meistens Sonaten für Violine und Basso continuo; danach wurden viele Sonaten komponiert, in denen einem Tasteninstrument - Cembalo oder Fortepiano - eine Obligatrolle zuerteilt wird. Die Sonaten zweier italienischer Komponisten, die vor kurzem auf CD erschienen sind, stammen aus der Mitte des Jahrhunderts, und mischen barocke und frühklassische Züge. Zugleich zeigen sie grosse Unterschiede.

Felice Giardini (1716-1796) stammte aus Turin, wo er - nach einer Zeit in Rom, wo er als Chorknabe sang und Gesangsunterricht erhielt - bei Giovanni Battista Somis studierte. Er wirkte dann einige Zeit in Rom und Neapel, und machte sich dann auf Reisen als Geigenvirtuose. Er kam in London, und beschloss, sich dort niederzulassen. Er spielte eine wichtige Rolle im Konzertleben, unter anderem als Solist bei den Bach-Abel-Konzerten. Charles Burney rechnete ihn zu den grössten Musikern seiner Zeit. 1784 kehrte er nach Italien zurück, ging dann nach St Petersburg und Moskau, wo er total verarmt verstarb.

Giardinis Oeuvre besteht hauptsächlich aus Instrumentalmusik. Diese wurde in London veröffentlicht, und darin könnte man zwei Seiten des Komponisten erkennen. Die Sonaten Op. 3, beispielsweise, sind für Violine oder Traversflöte konzipiert. Das zeigt, dass sie für Laien bestimmt sind; selbstverständlich werden hier typische Geigentechniken, wie Doppelgriffe, vermieden. Die Sonaten für Violine und Basso continuo Op. 1 dagegen gehen weit über die Möglichkeiten von nicht-professionellen Spielern hinaus. Darin begegnen wir dem Virtuosen, der alle damals üblichen Techniken benutzt. Oft geht die Geige bis in die höchsten Positionen, Mehrfachgriffe gibt es viele, sowie grosse Intervalle (mehr als zweieinhalb Oktave) und Figuren von Zweiunddreißigstelnoten über zwei Oktaven. Die letzte Sonate ist die virtuoseste; hier verwendet Giardini Flageolettöne (sons harmoniques). Einige Passagen klingen wie Kadenzen. Das war offensichtlich eine Vorliebe Giardinis.

Diese Beschreibung könnte den Eindruck erwecken, dass diese Sonaten nur eine Demonstration virtuoser Geigentechnik darstellen. Das ist aber nicht der Fall: vor allem die langsamen Sätze haben durchaus lyrische Züge und sogar die schnellen Sätze sind nie langweilig im melodischen Bereich. Anhand dieser Sonaten lässt sich die Begeisterung seiner Zeitgenossen gut nachvollziehen. I Solisti Ambrosiani haben mit dieser Aufnahme eine wichtige Tat vollbracht. Sie zeigen, dass Giardini zu Unrecht etwas im Schatten geblieben ist. Der Geiger des Ensembles, Davide Belosio, macht grossen Eindruck, sowohl technisch als musikalisch. Jeder Liebhaber der vorromantischen Violinliteratur sollte sich diese Aufnahme zulegen.

Noch weniger bekannt als Giardini ist Domenico Ferrari (1722-1780), der aus Piacenza stammte. Er war Schüler von Giuseppe Tartini, und zwar einer seiner besten. 1749 trat er in Wien als Geigenvirtuose auf und wirkte dann am Hofe zu Stuttgart, zusammen mit einem anderen Tartini-Schüler, Pietro Nardini. 1754 spielte er beim Concert Spirituel in Paris, und dort blieb er bis zum Ende seines Lebens. Zwischen 1758 und 1762 veröffentlichte er sechs Sammlungen von je sechs Sonaten für Violine und Basso continuo. Das Op. 3 hat der ukrainische Geiger Artem Dzeganovskyi eingespielt. Alle Sonaten sind dreisätzig. Drei Sonaten enden - der Mode der Zeit gemäss - mit einem Menuett; eines davon wird gefolgt von Variationen. Die relative kurze melodische Phrasen sowie die Tatsache, dass alle Sonaten in einer Dur-Tonart stehen, zeigen den Einfluss des galanten Stils.

Die Sonaten Op. 3 unterscheiden sich klar von denen von Giardinis Op. 1. Doppelgriffe gibt es relativ wenige, und dann vor allem am Anfang oder Ende eines Abschnitts oder einer melodischen Phrase. Der Umfang der Geigenstimme ist viel geringer als bei Giardini, und auch grosse Intervallsprünge gibt es nicht. Dagegen enthalten mehrere Sätze Anweisungen zur Einfügung einer Kadenz. Diese kostet Dzeganovskyi voll aus. Sein Ton ist schön und seine Interpretation differenziert, beispielsweise im Bereich der Dynamik, mit einer klaren Betonung des Unterschieds zwischen 'guten' und 'schlechten' Noten.

Vielleicht gibt sein Spiel einen Eindruck davon, wie Ferrari selber gespielt hat. Christian Friedrich Daniel Schubart schrieb: "Ferrari spielt nicht kraftvoll, sondern berührt die Saiten nur leicht, lässt den unteren Teil des Stegs aus und nutzt nur den oberen, wodurch Töne entstehen, die dem sanften Anstossen von Gläsern ähneln, um den Klang des Kristall zu hören"(*). Ferraris Sonaten widerspiegeln die Ideale seines Lehrers Tartini, der Virtuosität als Ziel an sich ablehnte und Natürlichkeit und Ausdruckskraft bevorzugte. Das hat Dzeganovskyi verstanden und in seiner Interpretation umgesetzt.

Auch diese Produktion hat einen Platz in einer Sammlung mit Aufnahmen von Violinmusik verdient.

(*) Übersetzung nach dem englischen Textheft; der originelle Wortlaut liegt mir nicht vor.

Felice Giardini: "6 Sonate per violino e continuo, op. 1"
I Solisti Ambrosiani
Tactus TC 710740 (© 2026) Details
Domenico Ferrari: "6 Violin Sonatas, Op. 3"
Artem Dzeganovskyi, violin; Leonardo Gatti, cello; Sonia Hrechorowicz, harpsichord
Capriccio C5553 (© 2025) Details

Freitag, 6. März 2026

Lechner: Von Tod und Auferstehung - Capricornus Ensemble Stuttgart


Deutschen Komponisten, die um 1600 wirkten, wird im heutigen Konzertleben wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ihre Musik gehört zwar zum Repertoire deutscher Chöre, findet aber kaum Eingang in international erhältliche Aufnahmen. Sie stehen offenbar im Schatten von Lassus, einem der letzten Vertreter der franko-flämischen Schule, einerseits, und frühen Vertretern des Concertato-Stils, wie Schein und Schütz, andererseits. Zu diesen 'vergessenen' Komponisten zählen Hans-Leo Hassler und Leonhard Lechner. Ihr Werk ist noch kaum wirklich erforscht. Im Falle Hasslers ist dies, angesichts seines umfangreichen Schaffens, nicht verwunderlich. Lechners Oeuvre ist viel kleiner; insbesondere ein Großteil seines Schaffens aus den letzten zwanzig Jahren seines Lebens scheint verloren gegangen zu sein.

Er wurde in Südtirol geboren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er in seiner Jugend als Chorknabe an der Münchner Hofkapelle sang, als Lassus dort Kapellmeister war. Lassus' Einfluss ist in Lechners Werk deutlich erkennbar. Frühestens ab 1575 war Lechner Hilfslehrer an der St.-Lorenz-Schule, dem größten Gymnasium Nürnbergs. 1583 ernannte Graf Eitelfriedrich IV. von Hohenzollern-Hechingen ihn zum Kapellmeister. Diese Anstellung währte jedoch nicht lange. Der Graf war ein glühender Anhänger der Gegenreformation und Lechner war ein überzeugter Lutheraner, der mit achtzehn Jahren zum Protestantismus konvertiert war. Anstatt um Erlaubnis zu bitten, zu gehen, floh er und gelangte schließlich an den Stuttgarter Hof, zunächst als Sänger und bald darauf als Assistent des Hofkapellmeisters. Er wurde 1595 selbst auf diese Position berufen, die er bis zu seinem Tod innehatte.

Lechners Oeuvre umfasst geistliche Musik auf lateinischen und deutschen Texten, sowie weltliche Musik. Die besten Einspielungen einiger seiner geistlichen Werke mit lateinischen Texten stammen vom Ensemble Officium und dem Ensemble Gabinetto Armonico (Christophorus, 2013) sowie von den Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Reinhard Kammler (deutsche harmonia mundi, 1987). Geistliche und weltliche Stücke in deutscher Sprache wurden von Cantus Cölln (deutsche harmonia mundi, 1990) und Weser-Renaissance (CPO, 1995) aufgenommen. Es gibt weitere Einspielungen, teils aus früheren Zeiten, und einige seiner Werke sind in Sammelprogrammen aufgenommen worden. Insgesamt ist Lechner jedoch nur spärlich auf Tonträger vertreten.

Fast alle Stücke auf dieser CD stammen aus verschiedenen Sammlungen Teutscher Lieder. Darin finden sich geistliche und weltliche Werke. Die Vermischung von Geistlichem und Weltlichem in Musiksammlungen war damals ganz normal. Im Vorwort zu der Sammlung von 1589 schreibt Lechner: "Weil Gott der HERR die liebliche Kunst der Music nicht allein zu lob und preiß seines Göttlichen Namens / sondern auch zu ehrlicher ergetzligkeit der Menschen (...) gegeben: warum wolt man selbige nicht auch zu weltlichen sachen und liedern gebrauchen?"

Zu den bekanntesten Werken Lechners gehören die Deutschen Sprüche von Leben und Tod, ein Zyklus von 15 Gedichten. Damit ist Lechner der erste deutschsprachige Komponist, der einen vollständigen Gedichtzyklus vertonte. Auch andere Werke beschäftigen sich mit dem Thema 'Tod', wie O Tod, du bist ein bittre Gallen und Wenn ich gedenk der Stund.

Hauptwerk ist die Historia der Passion und Leidens unsers einigen Erlösers und Seligmachers Jesu Christi des Jahres 1593. Der Text stammt grösstenteils aus dem Johannes-Evangelium, aber Lechner fügte, nach dem Vorbild der Evangelienharmonie des Johann Bugenhagen (1526), Passagen aus anderen Evangelien ein. Die Passion steht in der Tradition der Motettenpassion: das ganze Werk ist mehrstimmig, einschliesslich der Worte einzelner Personen. Das Werk ist vierstimmig, aber an mehreren Stellen wird die Zahl der Stimmen reduziert. Es verleiht dem Werk eine gewisse Dramatik, die man in anderen Motettenpassionen nicht findet. Ausserdem verwendet Lechner musikalische Figuren, um bestimmte Wörter oder Passagen hervorzuheben.

Ich kenne diese Passion nur aus der obenerwähnten Aufnahme der Augsburger Domsingknaben. Darin wird das Werk a capella dargeboten, was auf der Hand liegt. Diese Neuaufnahme ist anders: die Singstimmen werden immer von Blasinstrumenten unterstützt, und dabei spielen die lauten Instrumente - Zink, Posaune, Dulzian - die Hauptrolle. Ich finde diese Praxis besonders diskutabel. Wie am bayerischen Hof, wo Lassus Kapellmeister war, oder im Markusdom in Venedig, wurden Instrumente vermutlich hauptsächlich zu besonderen Anlässen, wie den Hochfesten des Kirchenkalenders, eingesetzt, nicht aber regelmäßig. Ein Fest wie Ostern wäre sicherlich ein solcher Anlass gewesen. Aber die Passionszeit? In der katholischen Kirche war der Instrumentalgebrauch während der Fastenzeit stark eingeschränkt oder wurde sogar ganz unterlassen, und diese Tradition mag im lutherischen Gottesdienst fortgeführt worden sein. Wenn man schon Instrumente einsetzen möchte, wäre ein Gambenconsort zu bevorzugen. Abgesehen von diesen Überlegungen: der Einsatz von (lauten) Blasinstrumenten beeinträchtigt die Verständlichkeit des Textes. In der Anwendung vom Capricornus Ensemble werden dann und wann textierte Stimmen rein instrumental dargestellt. Das scheint mir problematisch. Auch in anderen Stücken habe ich Zweifel über den Einsatz von Instrumenten.

Das schmälert meine Wertschätzung für diese Produktion nicht. Erstens ist es wichtig, dass Lechners Musik Beachtung findet. Es ist mir ein Rätsel, warum er so weitgehend unbeachtet bleibt. Es ist zu hoffen, dass sich dies ändert. Diese CD macht jedenfalls deutlich, dass die Qualität von Lechners Musik über jeden Zweifel erhaben ist. Zweitens sind die Interpretationen an sich herausragend. Die vier Sänger – Kristen Witmer, Daniel Schreiber, Raphael Höhn und Wolf Matthias Friedrich – sind Spezialisten für Alte Musik und wissen genau, wie sie diese Musik zum Leben erwecken müssen. In einigen Stücken kann man ihre individuellen Qualitäten bewundern. Auch das Instrumentalspiel ist exzellent.

Rein musikalisch betrachtet verdient diese CD eine uneingeschränkte Empfehlung. Leider ist die Aufführungspraxis nicht ganz überzeugend.

Leonhard Lechner: "Of Death and Resurrection"
Capricornus Ensemble Stuttgart/Henning Wiegräbe
Coviello Classics COV92409 (© 2024) Details

Carl Heinrich Graun: Kantaten - Aco Bišćević

Musik war eine der grössten Leidenschaften Friedrichs des Grossen. Er holte einige der besten Musiker und Komponisten an seinen Hof, zuers...