Freitag, 8. Mai 2026

Zelenka: Missa Paschalis & Händel: Funeral Anthem for Queen Caroline - Lukas Wanner


Wenn ich mir Konzertprogramme anschaue, frage ich mich manchmal, welche Idee dahinter steckt. Es werden Stücke aufgeführt, die kaum oder gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Das trifft auch auf das Konzert zu, das am 24.5.2025 in Basel stattfand, und das jetzt auf CD vorliegt. Das eine Werk ist eine Messe von Jan Dismas Zelenka, das andere das Anthem, das Händel zur Beerdigung der englischen Königin Caroline 1737 komponierte. Abgesehen davon, dass Zelenka und Händel Zeitgenossen waren, haben sie wohl kaum etwas gemeinsam, und die hier aufgeführten Werke schon gar nicht. Obwohl im Textheft behauptet wird, dass Händel Zelenkas Musik kannte und schätzte, habe ich in einigen Büchern über Händel darüber nichts finden können.

Wie dem auch sei, die Aufnahme der Missa Paschalis von Zelenka ist höchst willkommen, denn bis dato gab es nur eine Aufnahme des Jahres 2014 auf dem tschechischen Label Niburu, deren Aufnahmen wenig Verbreitung finden. Zelenka hat das Werk 1726 für den zweiten Ostertag geschrieben. Vergleicht man es mit den späten sechs Messen, die viel bekannter sind und in mehreren CD-Aufnahmen vorliegen, ist es ein in Länge relativ moderates Werk. Das liegt vor allem daran, dass das Credo sehr kurz geraten ist. Das sagt aber nichts über die Qualität.

Der Text hat an sich mit Ostern nichts zu tun: Zelenka hat die üblichen Ordinariumstexte vertont. In der Aufführung 1726 wurden selbstverständlich auch Propriumsgesänge gesungen, die für Ostern bestimmt sind. Die Instrumentalbesetzung ist allerdings ganz passend für dieses Fest: vier Trompeten (obwohl die Liste der Mitwirkenden nur drei nennt), Pauken, zwei Oboen, Streicher und Basso continuo. Die Trompeten und Pauken spielen eine wichtige Rolle, schon direkt am Anfang, und später wieder, beispielsweise am Anfang des Gloria, bei dem Abschnitt über die Auferstehung im Credo und im Sanctus. Auffällig ist, dass Zelenka bestimmte Stücke wiederholt: das Amen des Credo ist dem am Ende des Gloria identisch, und das Dona nobis pacem am Ende der Messe ist eine Wiederholung der ersten Hälfte des Kyrie I. Es gibt nur drei Soloabscnitte: für Sopran bzw. Bass sowie ein Trio für Sopran, Alt und Tenor.

Es ist ein sehr schönes Werk, und es ist schwer zu verstehen, warum es nicht öfter aufgeführt und aufgenommen wird. Die Interpretation des Vokalensembles Zeronove und des Instrumentalensembles I Pizzicanti ist nahezu ideal. Der Chor ist sehr homogen, produziert einen durchsichtigen Klang, der den Text klar verständlich herüberkommen lässt, und hat einige Sänger*innen in seinen Reihen, die solistisch voll und ganz überzeugen können.

Händel war die richtige Person, um die Musik zur Beerdigung der englischen Königin Caroline, Gattin Königs Karl II., zu komponieren. Er war persönlich mit ihr befreundet, und sie war als Gönnerin ihm eng verbunden. Sie war sehr kunst- und musikliebend, und war unter der Bevölkerung beliebt. Händel vertonte einen Text des anglikanischen Bischofs Edward Willes, der ihn basierte auf zwei Bücher des Alten Testaments: die Klagelieder Jeremias und Hiob.

Den grössten Teil vertonte Händel für Chor, und in diesen Abschnitten straft er Behauptungen Lügen, seine Behandlung des Kontrapunkts sei oberflächlich und liesse Tiefe vermissen. Die Chorabschnitte sind höchst expressiv und eine perfekte Wiedergabe des Textes. Am Anfang hört man den Einfluss der Choräle, mit denen er aufgewachsen war.

Die Interpretation dieses Werkes hat mir weniger gefallen als die der Messe von Zelenka. Das hat zwei Gründe. Erstens, der Abschnitt 'When the ear heard her' ist zu schnell und zu spritzig; die Darstellung passt kaum zum allgemeinen, beschaulichen Charakter des Werkes. Der zweite Grund ist wichtiger: im dritten Abschnitt, dem Chor 'How are the mighty fall'n', sind auf einmal Pauken zu hören. Die werden von Händel nicht verlangt, und passen ganz und gar nicht zum Charakter dieses Werkes. Diese beiden Mängel schaden den Gesamteindruck dieser Produktion.

Trotzdem möchte ich diese CD empfehlen, insbesondere wegen der Messe von Zelenka. Dieses schöne Werk verdient alle Aufmerksamkeit, und die hier gebotene Interpretation lässt das Werk im besten Licht erscheinen.

Zelenka: Missa Paschalis; Händel: Funeral Anthem for Queen Caroline
Zeronove, I PIzzicanti/Lukas Wanner
Prospero Classical PROSP0132 Details

Zelenka: Missa Paschalis & Händel: Funeral Anthem for Queen Caroline - Lukas Wanner

Wenn ich mir Konzertprogramme anschaue, frage ich mich manchmal, welche Idee dahinter steckt. Es werden Stücke aufgeführt, die kaum oder g...