Freitag, 12. April 2024

The Queen's Masque - ensemble feuervogel



Im Jahre 1601 erschien in England eine Sammlung von 23 Madrigalen unter dem Titel The Triumphs of Oriana. Die Madrigale stammten von den angesehensten Komponisten der Zeit und waren der damaligen Königin Elisabeth I. gewidmet. Jedes Madrigal endet mit den gleichen Worten (allerdings mit einigen Varianten): "Da sangen die Hirten und die Nymphen der Diana, "Lang lebe die holde Oriana!"" 'Oriana' war die Heldin des Ritterromans Amadis de Gaul, mit der Elisabeth gleichgesetzt wurde. Und es war angemessen, dass die Nymphen und Hirten der Diana, der Göttin der Keuschheit, das Lob der unverheirateten Elisabeth, der 'jungfräulichen Königin', sangen. Drei dieser Madrigale sind zu hören im Programm, das das ensemble feuervogel (dessen Name auf Initiale verzichtet) aufgenommen hat. Es ist ganz der Königin gewidmet, aus der Überlegung heraus, dass es damals ziemlich ungewöhnlich war, dass eine Frau Staatsoberhaupt war. "Queen Elizabeth I. nahm die Kraft der Künste zu Hilfe, um sich selbst als weibliche Herrscherin zu inszenieren und zu legitimieren. Das Genre der englischen Masque, ein Spektakel der Künste und Herrscherlob zugleich, war dafür wie geschaffen. Ensemble feuervogel präsentiert die musikalischen Abdrücke dieser politischen und gesellschaftlichen Emanzipation und transformiert dabei die Form der Masque als Struktur dieser Einspielung in die Moderne", so ist im Textheft zu lesen.

Da gibt es zwei Probleme: ein selbstgemachtes und eines, das aus der Überlieferung hervorgeht. Das erste ist, dass nur einige Lieder sich direkt auf Elisabeth beziehen, wie die drei Madrigale aus der obengenannten Sammlung und, beispielsweise, das Lied Eliza is the fairest Queen von Edward Johnson. In anderen Fällen ist die Beziehung der Fantasie der Interpreten zuzuschreiben. Ob das überzeugt, soll der Hörer selbst entscheiden. Mich haben die Verbindungen nicht überzeugt.

Das zweite Problem liegt in der Natur der Masque. Diese Gattung vereinte Tanz, Musik, Szenerie und Schauspiel, und lässt sich kaum rekonstruieren. Welche Musik genau gespielt wurde, ist nicht bekannt, und es ist kaum Musik überliefert, die dabei gespielt wurde. Dann bleibt wohl wenig Anderes übrig, als sich anderen Gattungen von Instrumentalmusik zuzuwenden, und das Ensemble hat sich für die Consortmusik entschieden. In der Zeit der Elisabeth ist ein umfangreiches Repertoire an Consortmusik entstanden, das auf Gamben, Blockflöten oder in einer Mischung von Instrumenten verschiedener Familien gespielt werden konnte. Hier erklingen Blockflöten, verstärkt von einer Laute und Schlagzeug. Und dabei kommt dann ein Problem der Interpretation an die Oberfläche: in fast jedem Stück kommt Schlagzeug zum Einsatz. Es liegt auf der Hand, dass bei Masques Schlagzeug verwendet wurde, aber man sollte das nicht übertreiben. Eben das ist hier das Problem. In einigen Stücken ist es durchaus angebracht, Schlagzeug zu verwenden, in vielen anderen viel weniger oder gar nicht, wie im schon genannten Lied von Edward Johnson.

Die Lieder werden von der Sopranistin Carine Tinney gesungen, und das macht sie ziemlich gut; sie hat eine schöne Stimme, die zur Musik passt. Leider verwendet sie etwas zuviel Vibrato. Die Balance zwischen Stimme und Blockflöten ist wie sie sein sollte. Es ist schade, dass auf eine historische Aussprache verzichtet wurde. Das hat zur Folge, dass Reimworte nicht immer reimen.

Dem Spiel des Ensembles ist nichts auszusetzen, und ich hoffe es öfter zu hören. Leider hat das Programmkonzept mich nicht überzeugt und der aufdringliche Rolle des Schagzeugs hat mir den Spass an diese Produktion gehörig versaut.

"The Queen's Masque - A female representation of power in English 16th century consort music"
Carine Tinney, Sopran; ensemble feuervogel; Ziv Braha, Laute
Coviello Classics COV92309 (© 2023) details

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