Freitag, 6. November 2026

Königin Christina, 1626-2026 - Concerto Copenhagen


Neben Hof, Kirche und Stadt waren es Persönlichkeiten aus den höheren Schichten der Gesellschaft, denen wir viele Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts verdanken. Sie regten zu Kompositionen an, gaben solche in Auftrag oder ermöglichten es Komponisten, überhaupt als solche aktiv zu sein. Eine dieser Persönlichkeiten war Königin Christina von Schweden. Sie wurde 1626 geboren, was in der Musikwelt erstaunlich wenig Beachtung gefunden hat. Ich weiss nur von einem Konzert in Helsinki, das ihr und ihrem Umfeld gewidmet war. Und dann gibt es die CD-Aufnahme, die es hier zu besprechen gilt.

Christinas Vater, Gustav II. Adolf, fiel 1632 in einer Schlacht während des Dreissigjährigen Krieges. Sie wurde zur Königin von Schweden gekrönt, aber war zu jung, um selbst zu regieren. Ihre Mutter, Maria Eleonora, war so von Trauer überwältigt, dass Schweden vom Reichskanzler Axel Oxenstierna regiert wurde. Er sorgte auch dafür, dass Christina eine erstaunlich breite Ausbildung erhielt, zu der mehrere Sprachen, Verfassungsrecht und Philosophie gehörten. Als sie 1644 volljährig wurde und die Regierung übernahm, entwickelte sich der Hof zu einem intellektuellen und künstlerischem Zentrum.

Da sie keine Lust hatte, zu heiraten, ernannte sie ihren Cousin Carl Gustav zu ihrem Nachfolger. Im Jahre 1654 trat sie zurück. Im Textheft schreibt Frode Andersen: "Bis heute gibt es Spekulationen über die Gründe für ihren Rücktritt, darunter Überdruss gegenüber den Forderungen des Hofes nach Heirat und Thronfolgern, der Wunsch nach intellektueller Freiheit und nicht zuletzt ihre Hinwendung zum katholischen Glauben, obwohl ihr Vater im Krieg für den Protestantismus gefallen war." Sie verliess das Land, und liess sich in Rom nieder, wo sie sich zu einer wichtigen Förderin der Künste entwickelte. Musik spielte in ihrem Leben eine wichtige Rolle, und mehrere Komponisten können mit ihr in Verbindung gebracht werden.

Das macht es nicht einfach, ein musikalisches Porträt Christinas zusammenzustellen. Daher bleibt eine CD die noch nicht einmal eine Stunde dauert, unbefriedigend. Allerdings muss gesagt werden, dass das Programm, das Concerto Copenhagen hier anbietet, etwas enttäuschend ist. Arcangelo Corelli war einer der Komponisten, die Kontakte zu Christina unterhielten: er widmete ihr die Triosonaten Op. 1. Eine dieser Sonaten erklingt hier, wie auch eines der Concerti grossi. Aber das sind alles ganz bekannte Stücke; man würde sich etwas weniger geläufiges Repertoire wünschen. Interessanter ist eine Sonate für vier Violinen des englischen Komponisten William Young, den Christina in Innsbruck, auf ihrem Weg zu Rom, begegnete. Das Programm fängt mit einigen Tänzen an, die am schwedischen Hof gespielt wurden. Sie sind französischer Prägung, was etwas über den Geschmack am Hofe sagt. Übrigens sind darunter einige Stücke, die erst nach Christinas Abreise geschrieben sein können - das ist schon etwas merkwürdig.

Drei weitere italienische Komponisten sind hier vertreten: Alessandro Stradella mit einigen Instrumentalwerken, die man selten hört, sowie Bernardo Pasquini und Alessandro Scarlatti mit Sinfonias aus Vokalwerken. Am Ende des Programms stehen wieder Tänze, und zwar von Andreas Düben, den Christina 1640 zum Hofkapellmeister ernannt hatte.

Wie man sieht enthält das Programm durchaus einige interessante Stücke, die nicht ganz geläufig sind, aber insgesamt hätte es interessanter sein können. Die Interpretationen sind generell gut, aber manchmal auch fragwürdig. Christina liebte die Madrigale von Carlo Gesualdo, aber die instrumentale Darstellung eines dieser ist unbefriedigend. Auch wird in allen Werken ein Violoncello gespielt, auch in Stücken, die entstanden sind, als es das Violoncello, wie wir es kennen, noch gar nicht gab. Solche Dinge sind enttäuschend und tun dem Ganzen Abbruch. Da Vokalmusik in Christinas Leben wohl eine Hauptrolle spielte, ist es bedauerlich, dass hier überhaupt keine Vokalmusik erklingt. Aber, wie gesagt, mit einer CD dieser Kürze kann man dem Leben dieser Frau sowieso kaum gerecht werden.

"Queen Christina"
Concerto Copenhagen/Lars Ulrik Mortensen
Fuga Libera FUG 872 (© 2026) Details

Königin Christina, 1626-2026 - Concerto Copenhagen

Neben Hof, Kirche und Stadt waren es Persönlichkeiten aus den höheren Schichten der Gesellschaft, denen wir viele Kompositionen des 17. un...